Vorwürfe gegen Twitter:
Darum war Ende Gelände gesperrt

Kurz vor einer Aktion sperrt Twitter das Konto von Ende Gelände. „Sicher nicht zufällig“, meinen manche. Dabei gibt es eine einfache Erklärung.

Seit Jahren besetzt Ende Gelände bei seinen Aktionen Kohletagebaue, blockiert Schienen und Bagger. Jetzt hatte das Bündnis selbst mit einer Blockade zu kämpfen: Der deutschsprachige Twitter-Kanal mit mehr als 58 000 Folgenden war vorübergehend eingeschränkt.

Nutzende ahnen politisches Motiv

„Der Twitteraccount @ende__gelaende ist im Moment gesperrt“, meldete Ende Gelände International am 25. Juli. Dem englischsprachigen Zweitaccount folgen deutlich weniger Profile, die Nachricht verbreitete sich aber trotzdem. Mehr als hundert Mal wurde der Tweet geteilt, noch mehr drückten auf „Gefällt mir“. Zum Grund der Sperre hatte Ende Gelände nichts geschrieben. Tags darauf vermuteten die ersten ein politisches Motiv.

Ob Twitter zum „Sklaven“ der fossilen Industrie geworden sei, fragte etwa die Groninger Ortsgruppe von Extinction Rebellion mit wütenden Emojis und knallrotem Erika-Steinbach-Gedächtnisfragezeichen. Andere machten auf den Zeitpunkt der Sperre „kurz vor der nächsten Aktion“ aufmerksam – in ein paar Tagen will Ende Gelände gegen ein geplantes Erdgas-Terminal in Brunsbüttel protestieren. Das war doch „sicher nicht zufällig“! Solche Nachrichten richten sich zum Teil an zehntausende Folgende.

Ende Gelände hatte Handy verlegt

Dagegen finden sich in den Kommentaren nur vereinzelt Hinweise darauf, was wahrscheinlich hinter der Beschränkung steckt: Wenn von einem Account „ungewöhnliche Aktivitäten ausgegangen sind“, verlangt Twitter einen Identitätsnachweis zur Überprüfung des Account-Besitzverhältnisses“. Das Passwort zu kennen, reicht dann nicht mehr. Wer sich einloggen will, muss zusätzlich einen Code eingeben, den Twitter zum Beispiel an eine im Konto hinterlegte Telefonnummer schickt.

Genau das stellte Ende Gelände offenbar vor Probleme. Man könne das mit dem Konto verknüpfte Handy „gerade nicht finden“, erklärte das Bündnis über seinen offiziellen Account bei der Twitter-Alternative Mastodon. Die Folge: Ende Gelände durfte nicht mehr twittern, auf dem Profil erschien ein Warnhinweis. Böse Absicht von Twitter? Eher nicht.

Gerüchte nicht richtig gestellt

Doch statt den Grund für die Sperre auch auf anderen Plattformen transparent zu machen, hat Ende Gelände den Post auf Mastodon gelöscht. Der Twitter-Account ist mittlerweile wieder freigeschaltet. Was bleibt, ist das Gerücht, dass die Beschränkung mit der anstehenden Aktion zusammenhängen könnte.

Daneben gibt es allerdings auch stichhaltige Kritik an dem Vorfall. Die linke Szene müsse sich „endlich unabhängig von digitalen Großkonzernen machen“, fordert beispielsweise die Grüne Hochschulgruppe Göttingen und verweist auf Mastodon als dezentrale Twitter-Alternative. Dort hat die Klimabewegung mit climatejustice.global einen eigenen Server. Als einer der Administratoren kann sich Ende Gelände höchstens selbst sperren. Es ist eben alles eine Frage der (Account-)Besitzverhältnisse.

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Student im Master Journalismus an der Universität Leipzig

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